Scheibenwechsel – So bewahrt die Autoscheibe den Durchblick

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Scheibenwechsel muss nicht kompliziert sein

Solange die Scheiben eines Autos für klare Durchblicke sorgen, ist auch die Welt des Fahrers in Ordnung. Ein Steinschlag oder ein Kratzer im Glas kann das schlagartig ändern. Dann könnte eine einzige Erschütterung schlimme Folgen haben – die Scheibe reißt komplett, die plötzlich fehlende Sicht stellt ein hohes Sicherheits- und Unfallrisiko dar. Bevor das passiert, sollte der Scheibenprofi entscheiden: Kann das Glas repariert werden oder ist ein kompletter Scheibenwechsel nötig?

Anforderungen an eine Scheibenreparatur sind gesetzlich reglementiert

Hat ein Steinschlag ein Loch in der Scheibe hinterlassen, ist die Reparatur von einigen Voraussetzungen abhängig, die der Gesetzgeber genau definiert hat. Dazu zählen die folgenden Faktoren: Die Art des Schadens, dessen Größe und Lage. Das entstandene Loch in der Scheibe darf die Größe einer Zwei-Euro-Münze nicht überschreiten. Zudem muss der Schaden mindestens zehn Zentimeter von allen Seiten des Fensterrahmens entfernt sein. Ein Wechsel der Scheibe wäre vorgeschrieben, wenn der Schaden das Sichtfeld des Fahrers direkt beeinflusst. Beim Sichtfeld handelt es sich einen Bereich von insgesamt 29 Zentimetern. Vom Mittelpunkt des Lenkrades aus gesehen wären das jeweils 14,5 Zentimeter auf der rechten und der linken Seite. Zu beachten wäre außerdem die Begrenzung des Wischerfeldes unten und oben. Können diese Vorgaben nicht eingehalten werden, was der Scheibenprofi durch entsprechende Messungen überprüft, gibt es kein entweder/oder – der komplette Scheibenwechsel ist unausweichlich. Die gleiche Entscheidung wäre für den Fall zu treffen, wenn sich bereits ein Riss in der Scheibe gebildet hätte.

Bei einer geplatzten Heckscheibe ist der Wechsel grundsätzlich vorgeschrieben

Sofern die Heckscheibe von einem Schaden betroffen und dadurch etwa geplatzt ist, wäre eine Reparatur grundsätzlich nicht erlaubt. Dabei kann es sich z. B. um den Folgeschaden eines Einbruchs oder eines Unfalls handeln. In diesen Fällen ist es in Bezug auf die Schadenregulierung durch die Versicherung nötig, den Schaden polizeilich aufnehmen und protokollieren zu lassen. Für die Fahrt in eine Werkstatt müssen zuvor jedoch eventuell vorhandene Glasreste vollständig entfernt werden. Ein Arbeitshandschuh wäre dazu sehr hilfreich.

Im Zusammenhang mit der Heckscheibe – oder einer Seitenscheibe – wäre auch die Kostenfrage zu klären. Der vorgeschriebene Scheibenwechsel wird grundsätzlich über die Teilkaskoversicherung abgerechnet. Die mit der Versicherung vereinbarte Selbstbeteiligung bleibt jedoch unberührt. Eine Höherstufung innerhalb der bestehenden Schadensfreiheitsklasse bleibt jedoch ausgeschlossen. Ist eine Teilkaskoversicherung jedoch nicht abgeschlossen, schätzen Experten die selbst zu übernehmenden Reparaturkosten auf rund 500 bis 1000 Euro, was jedoch vom Fahrzeugtyp und Art der Heck- oder Scheibe abhängt.

Ein Scheibenwechsel – Schritt für Schritt erklärt

Hat sich der Profi für einen Scheibenwechsel entschieden, beginnt seine Arbeit damit, den Austausch zunächst vorzubereiten. Dazu sind folgende Schritte nötig:

  • Im Innenraum des Fahrzeugs werden Sitz- und Fußraumschoner angebracht.
  • Äußerliche Lackschäden werden mit speziellen Schutzmatten oder Klebebändern verhindert.
  • Es folgt die Demontage der Scheibenwischer und der Schutzabdeckung unterhalb der Windschutzscheibe.
  • Vorsichtig wird danach die Fensterdichtung sowie die alte Dichtungsmasse entfernt. Erst dann kann die Windschutzscheibe mit einem speziellen Werkzeug entfernt werden.
  • Zur Vorbereitung auf den eigentlichen Scheibenwechsel behandelt der Monteur den gesamten Rahmen mit einer extra dafür entwickelten Grundierung, die zunächst sorgfältig austrocknen muss.

Sind die vorbereitenden Maßnahmen für den Scheibenwechsel getroffen, kann die neue Windschutzscheibe nun eingesetzt werden. Für den späteren sicheren Halt der Scheibe sorgt dabei ein Spezialkleber, der auf den Rahmen der Windschutzscheibe aufgetragen wird. Für den passgenauen Einsatz in den Fahrzeugrahmen wird noch einmal das bereits erwähnte Werkzeug genutzt.
Im nächsten Abschnitt werden sämtliche abmontierten Originalleisten sowie die Wischereinheiten wieder angebracht. Der für die Montage aufgebrachte Spezialkleber muss nun noch rund eine Stunde austrocknen, wobei das Fahrzeug nicht bewegt werden sollte. Ist der Trocknungsprozess abgeschlossen, kann das Fahrzeug dem Eigentümer übergeben werden, es ist wieder fahrbereit.

Versicherungstechnische Modalitäten beim Scheibenwechsel

Für den Scheibenwechsel der Windschutzscheibe gelten bezüglich der Kosten die gleichen Voraussetzungen wie beim Austausch einer Heckscheibe. Die Reparaturkosten werden demnach also von der Teilkaskoversicherung (abzüglich der Selbstbeteiligung) übernommen, die übrigens in einer Vollkaskoversicherung integriert ist.
Hat sich ein Autobesitzer bei der Gestaltung des Versicherungsvertrages jedoch gegen eine Übernahme von Glasschäden entschieden, wird die Versicherung den vorgenommenen Scheibenwechsel auch nicht übernehmen, der Besitzer bleibt demnach auf den Kosten sitzen. In diesen Fällen muss je nach Scheibenart und Fahrzeug, etwa in der Mittelklasse, mit einer Rechnung von mehr als 1.000 Euro gerechnet werden.

Kratzer auf der Windschutzscheibe lassen sich kaum verhindern

Gerade die Windschutzscheibe eines Autos ist einer dauerhaften Beanspruchung ausgesetzt. Kratzer können beispielsweise während der Fahrt durch aufgewirbelte Gegenstände wie Steine, Rollsplit oder vorausfahrende Fahrzeuge entstehen. Ein weiterer Grund für Glasschäden wären kaum sichtbare Schmutzpartikel, die sich unter den Scheibenwischergummis festsetzen und beim Betätigen der Wischer ständig über das Glas reiben. Ebenso können harte Gummilippen zur Beschädigung der Windschutzscheibe sorgen. Besonders schlimm wären auch Gegenstände, die etwa von einer Brücke aus geworfen, die Windschutzscheibe plötzlich und unerwartet platzen lassen.

Treffen solche Gegenstände den äußeren Rand der Scheibe, verursachen sie zumeist lange Risse. Treffen sie jedoch in etwa den Mittelpunkt, kann ein sogenannter Sternbruch die Folge sein. Selbst bei kleinen Beschädigungen ist Vorsicht geboten, da sich schnell bis zu 30 Zentimeter lange Risse bilden können, etwa beim zu schnellen Auffahren auf einen hohen Bordstein. Übrigens: Die meisten Rissbildungen, das haben Experten herausgefunden, entstehen in einem Bereich von rund sechs Zentimetern vom Rand der Scheibe entfernt. Einen Scheibenwechsel notwendig machen können aber auch kleine, manchmal gar nicht direkt sichtbare Abplatzungen. Glück im Unglück würde dann ein Riss von bis zu fünf Zentimetern bedeuten können, da sich solche Schäden oftmals noch reparieren ließen und ein Scheibenwechsel nicht zwingend erforderlich ist. Die endgültige Entscheidung jedoch kann nur der Profi treffen.

Bereits beim kleinsten Schaden in der Frontscheibe sollte ein Autofahrer also umgehend aktiv werden und einen Termin mit der Werkstatt vereinbaren. Denn bereits ein kleiner Schaden kann durchaus die Fahrstabilität des Fahrzeugs beeinflussen. Was viele Autobesitzer nämlich nicht wissen: Die Frontscheibe samt des Rahmens dient auch der Versteifung der Karosserie.
Wer die Windschutzscheibe auf der Fahrt zur Werkstatt vorsichtshalber absichern möchte, um ein Einreißen des Bauteils möglichst zu verhindern, kann ein sogenanntes Scheibenpflaster auf die beschädigte Stelle auftragen. Das Pflaster verhindert auch das Eindringen von Schmutz oder Wasser in die feinen Risse, die z. B. ein Steinschlag verursacht hat. Doch Vorsicht – die Aufkleber dürfen dann nicht angebracht werden, wenn sie die Sicht des Fahrers unterwegs beeinträchtigen würden oder diese zum größten Teil ganz verhindert. Dann bleibt am Ende nur die Frage: Reparatur oder Scheibenwechsel?